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Mit naturzeit Unterwegs – Eine Reise nach Nepal

Mit naturzeit Unterwegs - Eine Reise nach Nepal

Mit naturzeit Unterwegs – Auszüge aus Sascha´s Reisetagebuch

Wir von naturzeit freuen uns sehr, dass Sascha, ein Freund des Hauses, uns teilhaben ließ, an einer Reise nach Nepal, von der er uns über seine Eindrücke und Erlebnisse berichtete. Sascha hat uns mit kleinen Auszügen aus seinem Reisetagebuch und vielen Bildern auf dem Laufenden gehalten, und seine kostbaren Momente unter freiem Himmel mit uns geteilt.
Wir freuen uns sehr, dass Sascha und seine Begleitung Seraina ihre Reise gut überstanden haben, und sind sehr gespannt auf den Erfahrungsaustausch dieser Reise.

Chronologisch aufgebaut lässt uns Sascha daran teilhaben, welche Vorbereitungen er getroffen hat, wie die Ankunft in Nepal war und informiert uns in seinen Abschlussbericht mit einigen Fotos was er mit seiner Begleitung Seraina erlebt hat. Lehnt euch zurück und geniesst einige Auszüge aus Sascha´s Reisetagebuch.

Jede große Reise beginnt mit einem kleinen Pieks.

Bild_zu_Beitag_1_Impfen_20130408Der kurze, schmerzhafte Einstich ist schnell vergessen. Bereits am Nachmittag nach der Impfung überwog wieder die Vorfreude auf unsere Reise. Nepal. Allein der Gedanke an das sagenumwobene Land am Fuße des Himalaya zieht zahllose Outdoor-Liebhaber in seinen Bann: Unwillkürlich tauchen vor dem geistigen Auge Bilder von beeindruckenden Berggiganten, religiösen Heiligtümern und lächelnden Menschen auf. Auch ich habe mich jahrelang von Bildbänden, Berichten und Vorträgen faszinieren und inspirieren lassen. Und jetzt ist es endlich soweit: Drei Wochen Hochgebirgs-Trekking zum Mt. Everest und wieder zurück warten auf meine Schweizer Reisebegleiterin Seraina und mich. Wir wollen Land und Leute kennenlernen, unsere Grenzen ausloten, der Kälte und der Höhe trotzen, die Natur bewundern und eine unvergessliche Zeit genießen. Noch sind wir ganz relaxt. Ich bin gespannt, wann sich das ändert …

 

Ausrüstungs-Check: Es gibt kein schlechtes Wetter.

Visa Nepal neuWährend draußen vor dem offenen Fenster die Natur geradezu explodiert, sammelten sich auf meinem Sofa die Ausrüstungsgegenstände für unsere Reise: Softshell-Jacke, Reisezahnbürste, Wanderstöcke usw. Mit der Checkliste in der einen und einem Leuchtstift in der anderen Hand markierte ich die wenigen Dinge, die noch fehlen. Wie heißt es doch immer wieder so schön: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung.“ Kalt soll es werden, so habe ich im Reiseführer gelesen, ziemlich kalt. Aber davon ließ ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Denn hinter wichtigen Punkten wie „warme Funktionswäsche“ und „Schlafsack mit Komfortbereich bis –15° C“ konnte ich entspannt einen Haken setzen. Wahrscheinlich war es wie immer vor einer großen Tour: Fünf Minuten vor dem Check-In werden im Flughafen-Kiosk dann noch Ersatzbatterien für die Stirnlampe gekauft. Sicher ist sicher. Meine Vorfreude explodierte übrigens auch: Nachdem das Visum für Nepal in meinem Pass klebte…

 

Wir zählen mit – auf Schritt und Tritt.

Steppi klein neuDarf ich vorstellen: Steppi – „unseren“ Schrittzähler. Das kleine Ding hat für uns große Bedeutung. Wir wollen nämlich eine Antwort auf die Frage „Wie viele Schritte sind es von der Landung am legendären Flughafen in Lukla bis zum Fuße des Mt. Everest?“ finden. Und wir sind gespannt: 100.000 Schritte? 250.000? Oder mehr? Während ich hier schreibe läuft im Hintergrund die Waschmaschine im Dauerbetrieb. Wandersocken, Funktionswäsche und Trekkinghosen werden noch einmal mit frischem Duft versehen. Und die wasserdichte Jacke bekommt nach dem Waschen noch eine Auffrischung der Imprägnierung. Auf unserem Trek werden wir nicht immer Möglichkeiten zum Reinigen haben – weder von unserer Kleidung noch von uns selbst. Aber gehört das nicht dazu? Wäre es nicht langweilig, wenn man sich am Ende der Reise nicht sehnlichst auf eine heiße Dusche daheim freuen würde und darauf, endlich die nicht mehr geruchsneutrale Wäsche in die Maschine zu stecken? Montag geht´s los…

 

08.05.: Wir sind in Nepal – und ein bisschen in Tibet

Buddha neuLeicht uebermuedet sind wir heil und sicher in Kathmandu gelandet. Leider ist es ziemlich diesig, so dass wir die Berge hinter dem Dunst nur erahnen koennen. Unser Hotel liegt im Stadtviertel Boudhanath – dort steht eines der hoechsten buddhistischen Bauwerke weltweit. Wir haben dieser Stupa gleich einen Besuch abgestattet und sind zutiefst beeindruckt. Aus fast 30 m Hoehe richten sich die Augen Buddhas auf uns (siehe Foto). Jeder zweite, der uns hier engegen kommt traegt die Haare kurz und die Farben rot und orange – ein tibetanischer Moench. Nach der Flucht vieler Tibeter Anfang der 60er haben sie sich hier angesiedelt. Wenn Seraina und ich uns den Laerm der Mofas wegdenken, erfahren wir auch ein bisschen dieser geistigen Ruhe und Entspannung. Morgen haben wir noch einen Ausflugtag hier, dann heisst es Rucksack packen und Wanderstiefel schnueren…

 

11.05.: Sonne satt und atemberaubende Aussichten

Namche1 neuMeine Uhr zeigte 6:00 als wir gestern Morgen die Flughafenhalle in Kathmandu betraten. Um 7:45 Uhr starten wir bei wolkenlosem Himmel und landeten 30 Minuten spaeter hart, aber dennoch sicher auf der beruehmt-beruechtigten Landebahn von Lukla. Nun waren wir also mitten in der Bergwelt – nur Serainas Gepaeck nicht. Aber das kam mit dem naechsten Flugzeug nach. Als wir die erste Aufregung und ein kleines Fruehstueck verdaut hatten, haengte ich Steppi an den Hosenbund, und los ging es. Schwankende Haengebruecken ueber Schluchten; schmale, steile und steinige Wege, die man mit anderen Trekkern, mit Guides, Traegern und Yaks teilt; starker Sonnenschein, gegen den Sonnencreme mit LSF 30 kein Chance hat: Wir geniessen jede Sekunde und jeden Schritt hier auf unserem Weg. Mittlerweile haben wir unser zweites Etappenziel, die Bergsteiger- und Trekkerhochburg Namche Bazar auf etwa 3400 m Hoehe erklommen, uns eine letzte heisse Dusche im Guesthouse gegoennt und lassen uns vom sagenhaften Panaorama beeindrucken…

 

13.05.: Oberhalb der Baum- und unterhalb der Schneegrenze

Everestgipfel neuBrrr…so langsam wird es kalt da draussen. Vor dem Fenster rieseln die ersten Schneeflocken. Gestern noch waren wir im Rhododendronwald unterwegs, bei bestem Wetter und im T-Shirt. Die Baumgrenze geht hier bis auf unglaublich 4000 m. Ganzjaehrig Schnee liegt ab etwa 6000 m. Wir sind hier in Macchermo auf 4400 m also irgendwo dazwischen. Gestern war es soweit: Wir haben ihn gesehen!!! Den Koenig der Berge, den Hoechsten der Hohen. Aus der Ferne strahlte uns der Gipfel des Mt. Everest entgegen (siehe Foto, der Gipfel links). Vor lauter Staunen und Ehrfurcht haetten wir fast vergessen weiter zu laufen. Diese Ausblicke und Eindruecke werden wir fuer immer in unserer Erinnerung bewahren. Jetzt heisst es, den Akku der Kamera laden und in den sagenhaften warmen Schlafsack schluepfen. Gute Nacht!

 

14.05.: Der erste 5000er wartet auf uns

See neuDie Sonne steht fast senkrecht, wir sitzen auf Plastikstuehlen auf der Terrasse unseres Guesthouses und lassen den Blick ueber den See schweifen (siehe Foto). Wir koennen selbst kaum glauben, dass all das in einer Hoehe auf 4800 m stattfindet und freuen uns umso mehr, dass wir keinerlei Anzeichen der Hoehe spueren. Die heutige Tagesetappe war nicht allzu lang, und so haben wir den Rest des Tages vor uns, um uns mental vorzubereiten: Morgen frueh gegen 3:30 Uhr brechen wir auf zu unseren ersten Test-5000er. Wenn alles klappt, erleben wir auf rund 5300 m den Sonnenaufgang und haben freien Blick auf die Gipfel rund um den Mt. Everest. Trekkerherz, was willst Du mehr? Steppi hat uebrigens fleissig mitgezaehlt und ist selbst schon ein bisschen erschoepft. Kein Wunder bei 61707 Schritten bislang von Lukla bis hier her…

 

20.05.: Gruesse aus der Hauptstadt Kathmandu

Ich sitze im Garten unseres Hotels in Kathmandu, und vor mir auf dem Tisch dampft eine Tasse Kaffee. Die Sonne scheint. Aufgrund eines ungeplanten Zwischenfalles bis ich vorzeitig nach Kathmandu zurueckgekehrt, waehrend Seraina gemeinsam mit unserem Guide das Trekking wie geplant fortsetzt. Ich bin jetzt schon gespannt auf ihre Fotos!!! Wahrscheinlich melde ich mich erst nach unserer Rueckkehr wieder – mit vielen schoenen Bildern aus einem faszierenden Land, das nicht nur Trekker begeistert, sondern auch jeden Natur- und Kulturliebhaber garantiert in seinen Bann zieht. Liebe Gruesse!

 

Abschlussbericht einer fantastischen Nepal-Reise
04.06.2013: Nepal im Herzen und Gebetsfahnen am Balkon Om!

Überwältigt und tief beeindruckt sind wir wieder zurück gekehrt ins mittlerweile sonnige Mitteleuropa. Unsere Gedanken aber verweilen noch in Nepal. Dort schweben sie hin und her wie Gebetsfahnen im Wind – zwischen den strahlend weißen Gipfeln der 8000er im Hochgebirge und den strahlend weißen Zähnen lächelnder Nepalesen in Kathmandu. Was ist das Schönste an Nepal? Die Berge? Die Menschen? Die kulinarischen Köstlichkeiten? Unsere Antwort lautet: Alles! Egal, wo man in Nepal unterwegs ist, ob im belebten Touristenviertel Thamel in der Hauptstadt oder auf einem schmalen Pfad auf dem Weg zum nächsten Guesthouse auf knapp 5000 m Höhe – man kommt aus dem Gucken und Staunen einfach nicht mehr raus. Und aus dem Fotografieren auch nicht. Deshalb haben wir heute nochmals einige der eindrücklichsten Bilder unserer Reise für euch zusammengefasst.

Die Faszination ergreift einen bereits, wenn man das erste Mal an einer Wand mit Gebetsmühlen entlang geht: Es zieht einen förmlich dorthin, um selbst einen oder mehrere der Zylinder anzuschubsen und sich am Rattern zu erfreuen. Buddhisten erhoffen sich vom Drehen der Gebetsmühlen ein gutes Karma – bei Seraina und mir hat es jedenfalls funktioniert! Statuen wie auf dem Foto sieht man an vielen Ecken und auch in den Innenhöfen und Foyers der kleinen und großen Hotels.

01_Gebetsmuehlen02_Buddha

 

Wer sich zum Trekking in die Everestregion aufmacht begegnet schon bald nach der Landung in Lukla und dem Loslaufen den ersten Transporttieren. Wir haben gelernt: An Hängebrücken und auf engen Wegen haben die Tiere immer Vorrecht! Dank der Glocken um den Hals hört man Kühe, Pferde und Yaks glücklicherweise schon von Weitem. Seraina als Schweizerin fühlte sich bei diesem Klang immer an die Heimat erinnert und strahlte in solchen Momenten noch mehr als eh schon üblich. 03_Kuehe_Transport

Den richtigen Reisepartner, gutes Wetter und eine sagenhafte Aussicht – was braucht man mehr, um beim Trekking Momente zu erleben, an die man ewig zurückdenken wird? Seraina und ich werden auf jeden Fall noch unseren Enkeln – sollten wir jemals welche haben – von diesen unvergesslichen gemeinsamen Augenblicken unter blauem Himalaya-Himmel und vor schneeweißen 7000er- und 8000er-Gipfeln erzählen. Auch erwähnenswert sind die außergewöhnlichen Gerichte, die wir immer wieder auf den Speisekarten der Guesthouses entlang unserer Trekking-Route entdeckten: „Yak Stroganoff with Rice“ zählt zu meinen Favoriten hinsichtlich Extravaganz. Hinsichtlich des Genusses kann man auf das meist zähe Fleisch der zotteligen Tiere meiner Meinung nach allerdings getrost verzichten.

05_Speisekarte04_Seraina_Sascha

 

Wenn ma06_Sascha_alleinn Glück mit dem Wetter hat – und das hatten wir zumindest in den ersten Tagen unserer Tour – dann blendet man unterwegs automatisch alles Störende aus: das Gewicht des Rucksacks, die Stunden an Gehzeit, die noch vor einem liegen, und die Höhenmeter, die es an diesem Tag noch zu bewältigen gilt. Dann spürt man nur noch Leichtigkeit und Freiheit, und die Liebe am Unterwegssein im Freien zaubert einem ein Strahlen aufs sonnenverbrannte Gesicht. Seraina und ich haben nach unserer Rückkehr nach Europa noch immer Mühe, dieses Strahlen wieder aus unseren Gesichtern weg zu bekommen.

Unser Tipp: Nach einer Trekking-Tour sollte man sich mindestens noch zwei ganze Tage in Kathmandu gönnen, um in Ruhe die schönsten Ecken der Stadt zu genießen. Für uns gehört der „Dream Garden“ nahe der Innenstadt in jedem Fall dazu. Das Foto zeigt den Blick vom – österreichisch inspirierten – „Kaffee Kaiser“ aus in den Park, der mit seinen schönen Rasenflächen und zahllosen bunten Pflanzen eine Oase inmitten der Großstadt darstellt. Mich als begeisterten Leser von Bergsteiger-Literatur zog es anschließend in die legendäre „Rum Doodle Bar.“ Dort haben sich auf Fußabdrucken aus Pappe Tausende von Bergsteigern mit Texten und Unterschriften verewigt, darunter auch die ganz Großen wie Reinhold Messner. Die Pappschildern kleben an Wänden und baumeln von der Decke – wer alle lesen will, sollte sich dafür etwa eine Woche Zeit nehmen.

07_Klasse_Cafe_Kathmandu 08_Unterschrift_Messner

 

Als es für uns dann Abschied nehmen von Nepal hieß, da waren nicht nur Seraina und ich traurig, sondern auch Steppi, unser Schrittzähler: Knapp 200.000 Schritte ist er während der 16 Tage Trekking nicht von unserer Seite gewichen – und wie wir hatte auch er große Lust aufs Weiterlaufen. Am Abend vor dem Abflug begossen Seraina und ich unsere Traum-Tour mit einem kühlen Everest-Bier. Als wir uns beim Zwischenstop des Rückfluges die Beine vertraten, entdeckten wir etwas, was selbst die Schoggikennerin aus der Schweiz bislang noch nie gesehen hat: Schokolade mit Kamel-Milch als Zutat. Über den Preis für eine Tafel wollen wir an dieser Stelle nicht reden. Nur soviel: Er treibt selbst Eidgenossen, die ja hohe Preise gewöhnt sind, noch die Tränen in die Augen.

09_Steppi_am_Schluss 10_Everest_Bier 11_Kamelmilch_Schokolade

 

Das letzte Mal blauen Himmel genossen wir dann vom Flugzeug aus. Bei der Landung erwarteten uns kühle 6 Grad Celsius und Dauerregen. Was wir aus Nepal mitgebracht haben? Unvergessliche Eindrücke; Adrenalin in unseren Adern; die Sehnsucht, bald wieder in diese Region reisen zu können; das Wissen, welche Höhen wir mit wieviel Kraft und mit welcher Ausrüstung erreichen können; die Liebe zu Land und Leuten; das tolle Gefühl, trotz allem modernen Equipment etwas Ursprüngliches erlebt zu haben; die Freude am Leben unter freiem Himmel; das unbezahlbare Erlebnis, spektakuläre Ausblicke, die Euphorie des Unterwegsseins und die damit verbundenen Gefühle geteilt zu haben; eine Unmenge an Souvenirs sowie tibetische Gebetsfahnen in jeglicher Größe. Einige davon baumeln jetzt auf meinem Balkon.

12_Horizont 13_Fahnen_am_Balkon

 

Unser Dank geht an alle, die uns im Vorfeld und während unserer Reise unterstützt haben, die an uns gedacht und die uns Gutes gewünscht haben. Wir hoffen, euch durch unsere Fotos ein bisschen von dem zurück geben zu können. Mehr Bilder und Berichte wird es gegen Ende des Jahres im Rahmen einer Multivisionsshow geben. Termine und einen Trailer findet ihr bei Interesse dann unter www.ueberzeugungstaeter.net.


2 Kommentare zu Mit naturzeit Unterwegs – Eine Reise nach Nepal

  1. Uli

    Hallo Sascha,

    super Reisebericht – total kurzweilig und macht Lust auf Asien und ferne Länder.
    Bin gespannt auf mehr Bilder vom Dach der Welt :-)
    Ein lieber Gruß und bis zum nächsten Wiedersehen

    Uli

  2. Karl

    Hi Sascha,

    ein unglaublich toller Kurzbericht von eine sicherlich sehr tollen Reise.
    Wer Dich und Deine Vorträge kennt, freut sich schon jetzt auf die amüsante und äußerst lebendige Multivisionsshow.

    Herzliche Grüße
    Karl

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